Kind angefahren

Kind angefahren

Wem gehört der Weg?

Am Montag, dem 3.10., wurde nahe unserer Verleihstation auf dem Tempelhofer Feld ein Kleinkind von einem Rennradfahrer angefahren und schwer verletzt. Meine Tochter, die alles beobachtet hatte, erzählte, das Kind wäre von der Wiese auf den asphaltierten Weg gelaufen und ist dort von dem Rennradfahrer erfasst worden, der ungebremst auf das Kind zufuhr. Der Rennradfahrer beging Fahrerflucht, während kurze Zeit später Polizei und Krankenwagen auf dem Feld waren und sich um Kind und Mutter kümmerten.

Das Kind ist auf den Weg gelaufen. Das tun Kinder nun mal. Sie achten nicht auf Markierungen, von den manche Rennradler auf dem Tempelhofer Feld meinen, es wäre ihre Spur und jeder andere hätte sich aus dem Weg zu scheren. Ich habe schon einige aggressive Rennradler erlebt, die  lauthals schreiend ihre Runde fahren wollen, ohne Rücksicht auf andere. Es gibt aber kein Recht auf eine schnelle Runde, weder im Auto noch auf dem Rad. Viel wichtiger ist das Recht der anderen auf körperliche Unversehrtheit, besonders, wenn es um ein Kind geht. In der Fahrschule habe ich gelernt, wenn ich ein Kind auf dem Bürgersteig sehe, soll ich runter vom Gas gehen und bremsbereit sein.

Wo ist nochmal die Bremse?

„Die Fahrzeugführer müssen sich gegenüber Kindern, Hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, daß eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.“ §3 StVO

 

Das gilt ebenso für Fahrradfahrer, auch wenn es manchen nicht bewußt ist. Rücksichtnahme ist eine Fähigkeit, die vielen in Berlin immer mehr abgeht. Die meisten hier erwarten Rücksichtnahme auf ihre Belange, aber sind sie auch bereit, diese zu geben? Nicht nur das eigene Ziel im Kopf haben, sondern anderen Menschen auch im Strassenverkehr ( oder Park ) achtsam begegnen, das macht den Alltag für alle leichter. Denn andere sind kein Verkehrshindernis, es sind Menschen, ob groß oder klein.  Keine Objekte.
Ja, klar, es gibt aggressive Fahrer, die mich stressen, aber ich bin keine Maschine, die dann automatisch den Stinkefinger hochheben und Flüche hinterschreien muss, sondern es gibt auch noch andere Möglichkeiten. Muss ich eine Aggression mit einer Gegenaggression beantworten? Was bringt das, außer nur noch mehr Aggresionen? So dreht sich die Aggressionsspirale immer weiter, immer schneller. Jeder fühlt sich im Recht, will Recht haben.

„Willst du Recht haben oder glücklich sein? Beides gleichzeitig geht nicht.“

(Marshall B. Rosenberg)

Ich suche neue Wege, mit den stressigen Situationen im Verkehr so umzugehen, daß daraus etwas Konstruktives entstehen kann. Das schaffe ich nicht immer, aber immer öfter. Für mich ist dafür wichtig, bei mir zu bleiben, nicht zur reaktiven Maschine zu werden. Ausatmen.Und wenn ich es schaffe, ins Gespräch kommen mit dem anderen. Das ist nicht leicht, aber der andere Weg, der übliche, sehe ich als eine Sackgasse. Ich wünsche mir aber eine Weiterentwicklung zu einer lebenswerten Stadt und dazu gehören für mich nicht nur bessere Wege für’s Rad dazu, sondern auch ein besseres achtsameres Miteinander. Dann kann auch die gemeinsame Nutzung von Flächen wie dem Tempelhofer Feld auch ohne sogenannte Nutzungskonflikte gut funktionieren und die Kinder können  im Park frei herumlaufen, ohne Angst, umgefahren zu werden.

Neue Wege gehen

Wie siehst Du das? Meinst Du, erst müssen sich die äußeren Bedingungen ändern und dann kommt die Rücksicht von alleine oder ist für Dich Rücksicht unabdingbar für eine positive Entwicklung?

Wie gehst Du mit Stresssituationen im Strassenverkehr um? Hast Du Strategien zur Deeskalation  von schwierigen Situationen entwickelt? Ich bin gespannt.

Dagmar Gericke

 

 

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2 thoughts on “Kind angefahren

  1. „Ja, klar, es gibt aggressive Fahrer, die mich stressen. aber ich bin keine Maschine, die dann automatisch den Stinkefinger hochheben und Flüche hinterschreien muss, sondern es gibt auch noch andere Möglichkeiten. Muss ich eine Aggression mit einer Gegenaggression beantworten? Was bringt das, außer nur noch mehr Aggresionen? So dreht sich die Aggressionsspirale immer weiter, immer schneller. Jeder fühlt sich im Recht, will Recht haben.“

    sorry, aber wenn ein auto zu centimeter-dicht an mir vorbeijagt, wobei die ganze straße frei ist, schrei ich schon – sowohl weil ich erschrecke als auch zu signalisieren: hier ist ein mensch.

    das erinnern an mehr rücksichtnahme in dem beitrag find ich trotzdem prima.

    1. Natürlich, ein Schreck und eine laute verbale Äußerung ist eine normale Reaktion. Logisch.
      Was dann aber folgt, habe ich durchaus in der Hand. Ich gebe zu, daß ich früher ziemlich viel in Stresssituationen im Verkehr geflucht habe. Einmal, ich hatte gerade meinen Sohn, als er noch klein war, an der Hand, fuhr ganz friedlich ein Auto an mir vorbei, keine gefährliche Sitiation. Meine Sohn sagte zu mir: „Das ist ein Idiot, nicht wahr.“ Ups, dachte ich, da werde ich mal in Zukunft mehr auf meine Sprache achten.

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