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Autor: ddgericke

So stellst du deinen Sattel richtig ein

So stellst du deinen Sattel richtig ein

Wenn ich auf meinem Fahrrad durch die Strassen radel und die anderen Fahrradfahrer von hinter sehe, fällt mir immer wieder auf: Der Sattel ist zu hoch oder zu tief. Dabei ist die richtige Sattelhöhe für ein ungetrübtes Fahrvergnügen sehr wichtig.

Ist der Sattel zu tief eingestellt, werden die Kniegelenke übermäßig belastet.

Ist der Sattel zu hoch, belastet es die Hüfte und den unteren Rücken.

 

Mit der korrekt eingestellten Sattelhöhe kannst du viel ermüdungsfreier fahren, vor allem wenn auch noch die übrigen Maße stimmen und der Sattel passt.

Tipps zum Gebrauchtradkauf

Tipps zum Gebrauchtradkauf

Du möchtest Geld sparen und suchst ein gutes, gebrauchtes Fahrrad.  Hier sind die besten Tipps, was zu beachten ist, wenn du dir ein gebrauchtes Rad anschaust:

  • Ist das Tretlager in Ordnung? Merkwürdige Quietsch- Geräusche, Spiel (Wackeln der Tretarme), oder auch Schwergängigkeit deuten auf ausgeschlagene oder falsch eingestellte Lager hin.
  • Hebe das Hinterrad an und drehe die Kurbeln. Bewege die Kurbelarme quer zum Fahrrad, um eventuelles Spiel festzustellen.
  • Ist der Rahmen verzogen? Achte auf verbogene Rahmenrohre, bei Damenrädern vor allem auf das Sattelunterrohr. Neigt es sich nach vorne, dann ist der Rahmen verzogen, ein eventueller Bruch möglich.
  • Beachte auch Roststellen und Risse an den Muffen. Sie können erste Anzeichen von Materialermüdung sein.
  • Ist die Gabel verbogen? Betrachte die Verlängerung des Steuerrohres (das ist das Fahrrad- Rahmenrohr vorne mit dem auf’geklebten Typenschild) nach unten. Die Gabel muß fluchten, das heißt gerade nach unten verlaufen! Ist sie verbogen, wird die Lenkung beeinträchtigt. Die Gabel muß dann ausgetauscht werden.
  • Sind die Laufräder in Ordnung? Nicht selten sind die Laufräder durch Bordsteinkanten lädiert, haben Achten, oder lockere Speichen. Achte auf zentrischen spielfreien Lauf.
  • Ist die Antriebskette in Ordnung? Läßt sie sich am vorderen großen Kettenblatt mehr als einen halben Zentimeter von den Zähnen abheben, ist sie verschlissen. Mit der Kettenprüflehre läßt sich der Zustand in Sekunden ermitteln. Eine unverbrauchte Kette ist wichtig, denn sonst wird das Multi-Gang- Rad schnell zur Eingang- Tretmühle.
  • Bei Verschleiß müssen meist Ritzel und Kettenblatt ausgetauscht werden,  denn eine neue Kette passt oft  nicht auf ein verbrauchtes Ritzel.
  • Funktioniert das Licht? Defekte Lichtanlagen sind häufig Anlaß zu Ärger.
  • Sind die Reifen verschlissen? Alterungssrisse sind gut zu erkennen.
  • Funktionieren die Bremsen? Ein langer Bremsweg macht das Rad unsicher.

Generell gilt: Ein gutes generalüberholtes gebrauchtes Fahrrad, vor allem wenn es ein Markenrad ist, hat seinen Preis. Wenn du den Handel mit geklauten Rädern nicht unterstützen willst, kaufe nur von seriösen Quellen und bestehe auf einen Kaufvertrag.

Dann kannst du zum Preis eines einfachen Neurads schon ein gutes gebrauchtes Qualitätsrad bekommen und so viel Geld sparen. Denn Qualität macht sich auf Dauer bezahlt.

Rad frei: Berlin bekommt ein Radgesetz

Rad frei: Berlin bekommt ein Radgesetz

Kennt ihr das Gefühl, wenn euch noch der Eiswind um die Nase bläst, aber die Schneeglöckchen ihre Köpfe in die Sonne strecken und sich zart im Winde wiegen. In mir ist dann die Vorfreude auf einen herrlichen Frühling und auf einen Sommer ohne Makel, nicht zu trocken und ohne Dauerregen.
Der perfekte Sommer, noch nicht getrübt von der Realität, den wünsche ich mir jedes Jahr. Doch sehr selten ist der Sommer perfekt.
So ähnlich geht es mir jetzt mit der Verkündung, dass Berlin ein Radgesetz bekommt. Einmalig in der Welt und ganz sicher ein Verdienst der Initiativer Volksentscheid Fahrrad, dass es zustande kommen soll. Wie geil ist das denn?

Es hört sich wunderbar an:

  • Alle Hauptstraßen sollen mindestens zwei Meter breite Radstreifen bekommen.
  • Radfahrer sollen grüne Wellen bekommen.
  • Berlin soll ein Netz von 100 km Radschnellwegen bekommen.
  • Kreuzungen sollen durch Umbauten sicherer gemacht werden. Dafür sollen 24 neue Stellen geschaffen werden.
  • Es sind 100 000 neue Abstellplätze für Fahrräder, sowie Parkhäuser für Fahrräder geplant.
  • Der Radverkehranteil soll auf 30% innerhalb und auf 20 innerhalb der gesamten Stadt gesteigert werden.
  • Ab 2019 sollen dafür jährlich 51 Millionen € zur Verfügung stehen.
  • Der Umbau soll innerhalb der nächsten 13 Jahre erfolgen.

Das Presseecho ist recht unterschiedlich. Während der Tagesspiegel fragt: „Warum erst jetzt?“ und zu Recht erwartet, dass auch für die Sicherheit von Fußgängern mehr getan werden muss, findet Kommentator Stefan Peter von der BZ: „Autofahrer haben nichts zu lachen.“ Anscheinend hatten sie vorher Grund zum Lachen. Außerdem sorgt sich die BZ um die Zahl der Parkplätze, die wegfallen werden.

„Berlin wird zur Fahrrad-Stadt“ titelt die Berliner Morgenpost kompakt, und lässt einige Radler zu Wort kommen, die von den Senatsplänen angetan sind, wie auch die Opposition, die erwartungsgemäß die Pläne als „einseitig und falsch“ bezeichnet.

Das Radgesetz stößt nicht nur auf Gegenliebe

Ein Radgesetz wird nicht überall auf Gegenliebe stoßen, soviel ist klar. Eiserne Autofahrer fürchten um ihre Privilegien und meinen, nun wurde der Radverkehr bevorzugt. Sie wollen nicht, dass Parkplätze für Radstreifen weichen müssen. Das erinnert mich an die Diskussion vergangener Jahrzehnte, dass Frauen den Männern die Arbeitsplätze wegnehmen würden.

Gibt es ein Recht auf einen Parkplatz?

Eine Neuverteilung des öffentlichen Raums ist für Hardcore-Autofahrer eine Bevorzugung der Radler, auch wenn in Zukunft der größte Teil der Strassen von Autos befahren werden wird.
Bis zu einer Stadt, wie ich sie in Was wollen die Autofahrer denn noch alles? beschrieben haben, wird es kaum kommen. Darum geht es auch nicht, sondern um eine Stadt, in der sich alle gefahrlos bewegen können. Und das ist nicht nur das Ziel von Radlern und Fußgängern, sondern auch von einigen Autofahrern, die auch erleichtert sind, wenn der Verkehr übersichtlicher und sicherer wird.

Noch ist das Radgesetz nicht verabschiedet, es sind lediglich die Eckpunkte des geplanten Gesetzes vorgestellt worden. Und noch ist keine einzige geplante Maßnahme durchgeführt worden. Im Jahre 2004 wurde schon einmal vollmundig eine Radverkehrstrategie festgelegt, doch es ist wenig daraus geworden. Deswegen ist es wichtig und notwendig, weiterhin zu beobachten, wie intensiv der Senat die Pläne zur Verbesserung der Sicherheit von Radfahrern verfolgt.
Noch ist es nicht soweit, dass ich allein auf vorgestellte Pläne vertraue.

Aber ich hoffe darauf. So wie auf den perfekten Sommer.

Kindertransport auf dem Fahrrad

Kindertransport auf dem Fahrrad

Wie kannst du dein Kind auf dem Fahrrad transportieren?

Viele Eltern möchten ihr Kind, so bald es möglich ist, auf dem Fahrrad transportieren. Sie sind sich aber unsicher, was eigentlich erlaubt ist. Entgegen den Gerüchten ist es gesetzlich zugelassen, sein Kind auf einem Kindersitz hinter dem Lenker zu transportieren.
Die StVo gibt auch keine Beschränkung auf ein Kind pro Rad vor. Es können durchaus zwei Kinder transportiert werden. Die Vorgabe ist lediglich, dass die Kindersitze an einem starren Teil des Fahrrads, also dem Rahmen, befestigt werden und dass die Füße nicht in die Speichen geraten können.

Hier ist der entsprechende Gesetzestext:
Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)
§ 21 Personenbeförderung

„(3) Auf Fahrrädern dürfen nur Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden, wenn für die Kinder besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können. Hinter Fahrrädern dürfen in Anhängern, die zur Beförderung von Kindern eingerichtet sind, bis zu zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden. Die Begrenzung auf das vollendete siebte Lebensjahr gilt nicht für die Beförderung eines behinderten Kindes.“

Kindertransport auf dem Fahrrad: Erst vorne, später hinten

Wir haben unsere Kinder in den ersten Lebensjahren, wenn sie sicher und stabil sitzen konnten, in einem Römer-Sulky-Kindersitz hinter dem Lenker transportiert. So hatte ich meine Kinder immer im Blick, konnte während der Fahrt mit ihnen reden und auch gleichzeitig den Verkehr erklären. Damit habe ich bereits die Grundlage für das sichere Radfahren später geschaffen.
Wurde der vordere Kindersitz zu klein, sind sie nach hinten in einen Römer Jockey gewandert. Ich bin oft mit zwei Kindern auf dem Rad gefahren. In Deutschland ist das zwar nicht so häufig, aber in den Nachbarländern Niederlande und Dänemark völlig üblich.

Kein tödlicher Unfall beim Kindertransport auf dem Fahrrad

Die größte Angst von Eltern ist dabei ein Unfall. Doch Eltern mit Kind auf dem Rad fahren sehr umsichtig und defensiv, wie eine Auswertung zeigt:
„Eine ADFC-Auswertung der Verkehrsstatistik habe ergeben, dass von 2007 bis 2009 bundesweit kein Kind im Alter von wenigen Monaten bis zum Vorschulalter beim Mitfahren auf dem Rad oder in einem Kinder-Fahrradanhänger ums Leben kam. Im gleichen Zeitraum starben den Angaben nach 64 Kinder in Deutschland bei Autounfällen. Unter den Schwerverletzten waren in der Statistik laut Huhn 20 Kinder bis zum Vorschulalter, die bei der Mitnahme auf und am Rad verunglückten. 445 Kinder der gleichen Altersgruppe wurden bei Autounfällen verletzt.“
(aus SpiegelOnline, 12.8.2011)

Das Kind mit auf das Rad zu nehmen ist der beste Weg, wie Kinder erfahren, dass Fahrradfahren zum Alltag gehört. Außerdem gewinnen Eltern ihre Mobilität zurück und fast alle Kinder lieben es, im Kinderfahrradsitz zu sein und die Gegend zu entdecken.
Wir sind mit unseren 4 Kindern viel und früh auf dem Rad unterwegs gewesen und es sind begeisterte Radfahrer geworden.

Dagmar Gericke

Was ist eine Fahrradstraße?

Was ist eine Fahrradstraße?

Fahrradstraßen – sinnvolle Ergänzung für eine fahrradfreundliche Stadt?

Ein Teilstück der Bergmannstraße in Berlin ist eine Fahrradstraße. Auch andere Straßen in Berlin sind in letzter Zeit zur Fahrradstraße umgewidmet worden.
Doch was bedeutet das für die Radler und Autofahrer?

Fahrradstraßen sind speziell für Fahrradfahrer. Durchquerende Autos sind verboten, außer die Straße ist mit einem Zusatzschild Auto frei für Autos freigegeben. Außerdem kann sie mit dem Schild Anlieger frei auch für Anlieger freigegeben werden.

Autos dürfen maximal 30 kmh fahren

Die Geschwindigkeitsbegrenzung für Autos liegt bei 30kmh. Da Fahrräder die dominierenden Verkehrsmittel in dieser Straße sind, müssen Autofahrer hinter ihnen herfahren, wenn sie nicht überholen können.

Verkehrsschild Fahrradstraße
Ob da wirklich jeder Autofahrer sicher weiß, dass er nicht mehr als 30 fahren darf?

Radfahrer dürfen nebeneinander fahren.

In der Straßenverkehrsordnung §41 StVO  heißt es dazu: „I. Fahrradstraßen kommen dann in Betracht, wenn der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald zu erwarten ist. II. Anderer Fahrzeugverkehr als der Radverkehr darf nur ausnahmsweise durch die Anordnung entsprechender Zusatzzeichen zugelassen werden (z. B. Anliegerverkehr). Daher müssen vor der Anordnung die Bedürfnisse des Kraftfahrzeugverkehrs ausreichend berücksichtigt werden (alternative Verkehrsführung).“

Die Idee der Fahrradstraße ist durchaus gut, die Ausführung sehe ich allerdings kritisch. Meine Erfahrung mit Fahrradstrassen ist, dass die Strassen weiterhin von Autofahrern zum Durchfahren genutzt werden. Es ist für sie einfach nur eine weitere Tempo 30 Zone. Viele Autofahrer wissen nicht, was eine Fahrradstrasse ist oder ignorieren es einfach.

Auch bisher darf mich ein Autofahrer in einer schmalen Straße nur unter Einhaltung der Sicherheitsabstände überholen. Ist dies nicht gewährleistet, muss er hinter mir herfahren, bis es eine sichere Möglichkeit zum Überholen gibt, egal welche Strasse.

Auch auf anderen Strassen dürfen Fahrradfahrer nebeneinander fahren, allerdings mit der Einschränkung, dass sie den motorisierten Verkehr nicht behindern. Also ein kleiner Vorteil für Radler auf Fahrradstrassen, da sie das nun tun können, ohne für den Kfz-Verkehr weichen zu müssen.

Wo liegt also der große Vorteil von Fahrradstraßen für Fahrradfahrer gegenwärtig?

Im Moment erscheint es mir als eine Methode, möglichst kostensparend geltend machen zu können, etwas für den Fahrradverkehr getan zu haben. 17 Fahrradstraßen in Berlin, das macht doch was her. Etwas Farbe, ein paar Schilder und schon gibt es etliche Fahrradkilometer mehr.

Würde das Projekt Fahrradstraße ernsthaft in Angriff genommen werden, müssten neben umfassenden Aufklärungsarbeiten bauliche Veränderungen vorgenommen werden, durch die Autofahrer sofort mitbekommen, dass sie sich nun in einer Fahrradstrasse befinden. Ein kleines Schild am Anfang der Straße und ein bisschen Farbe auf dem Teer wird da kaum reichen.

Auf Fahrradreisen: Übernachten einmal anders

Auf Fahrradreisen: Übernachten einmal anders

Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein ist für mich eine der schönsten Arten zu reisen. Ich tauche tief in eine Landschaft ein und entdecke verträumte Orte, an denen ich mit dem Auto einfach vorbei gefahren wäre. Dort, wo es mir gefällt, kann ich eine Pause einlegen – oder auch übernachten und länger bleiben. Auf dem Fahrrad fühle ich mich sehr frei.

In den letzten 25 Jahren war ich in vielen Ländern mit dem Rad unterwegs, allein, mit meinem Partner, mit Freunden und auch mit meinen Kindern. Und so unterschiedlich wie meine Reisepartner waren auch die Plätze, wo ich übernachtet habe. Von wild Campen bis zum Hotel war alles dabei. Eine Herbergsmöglichkeit mag ich dabei besonders, und das ist die Möglichkeit, bei Menschen zu übernachten, die sich einem Gastfreundschaftsnetzwerk angeschlossen haben. Gastgeber sind in der Regel sehr offene Menschen. Du kannst so einen Einblick in das Leben der Menschen des Landes bekommen, den du sonst nicht erhältst. Es trainiert die eigene Offenheit, sich in das Zuhause von anderen Menschen zu begeben. Dabei geht es nicht vorrangig um eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit, sondern vor allem um die Bereitschaft, andere Menschen kennenzulernen und sich auszutauschen.

Welche es gibt und was ich für Erfahrungen gemacht habe, davon erzähle ich jetzt mehr:

Die Gastfreundschaftsnetzwerke

Speziell für Radreisende:

ADFC Dachgeber
Der ADFC Dachgeber, den es schon seit mehreren Jahrzehnten gibt, hat Gastgeber aus ganz Deutschland in seiner Liste. Die Liste beruht auf dem Gegenseitigkeitsprinzip. Du musst selber Gastgeber sein, um unterwegs von anderen Gastgebern aufgenommen zu werden. Wenn Du bei jemanden zu Gast sein willst, fragst Du vorher per Mail oder Telefon nach, ob es passt.
Der Eintrag in die Liste kostet 15 € für ein Jahr.
Ich bin mehrmals mit dem Dachgeber gereist und habe durchweg gute Erfahrungen gemacht. Für Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien existieren auch Dachgeber-Listen der Fahrradverbände.
ADFC Dachgeber
http://www.adfc.de/adfc-reisenplus/uebernachten/adfc-dachgeber/adfc-dachgeber

Warmshowers
Warmshowers würde 1993 gegründet und ist ein internationales Gastfreundschaftsnetzwerk für Tourenradler mit über 34.000 Gastgebern und 84.000 Reisenden weltweit. Es beruht wie der Dachgeber auf der Bereitschaft, jemand aufzunehmen, aber es ist auch okay, dass diese Bereitschaft auf die Zukunft gerichtet ist. Es muss also keiner außen vor bleiben, nur weil er selbst grad zur Untermiete wohnt und keinen beherbergen kann. Warmshowers ist kostenlos, aber bittet zur Finanzierung ihrer Arbeit um Spenden.
https://www.warmshowers.org/

Allgemeine Gastgebernetzwerke:

Servas
Servas ist wohl das älteste Gastfreundschaftsnetzwerk, das ich kenne. Es wurde bereits 1949 von amerikanischen Studenten in Dänemark gegründet. Servas sieht sich als Friedensorganisation, die Menschen aus allen Nationen und Einkommensschichten es möglich machen will, sich kennenzulernen, Vorurteile abzubauen und Freundschaften zu schließen. Es gibt über 14.000 Gastgeber in über 130 Ländern. Bei Servas ist der persönliche Kontakt sehr wichtig. Bevor Du als Reisende in die Liste aufgenommen werden kannst, nimmst Du Kontakt zu einem Servas-Koordinator auf, der (oder ein anderes längeres Servas-Mitglied) dir in einem Gespräch die Idee von Servas erklärt und Fragen beantwortet. Da Servas in der prädigitalen Zeit geboren wurde, sind die Listen noch nicht im Web. Im Moment wird daran gearbeitet, wie Servas im Web präsent ist.
Ich selbst bin seit über 25 Jahren bei Servas, als Reisende und auch als Gastgeberin und möchte diese Erfahrungen nicht missen.

Meine Kinder haben durch Servas weltweite Gastfreundschaft kennengelernt, sowohl als Reisende als auch als Gastgeber. Wir haben in Finnland auf Wasserbetten geschlafen, in Southhampton im Garten einer WG in einem Zelt, in einer luxuriösen Alpenhütte in den französischen Bergen und in den Everglades in Florida. Da stellte ich beim morgendlichen Spaziergang durch den Garten fest, dass über Nacht im Gartenteich ein Alligator eingezogen war.

Alle Gastgeber waren wunderbare Menschen. Die Begegnungen mit den Servasgastgebern gehörten zu den schönsten und berührendsten Erfahrungen unserer Reisen. Besonders für Familien kann ich Servas empfehlen, da viele Gastgeber selbst Familien sind und auch mehrere Gäste aufnehmen können.
http://www.servas.de/cms/index.php?menuid=8

Couchsurfing
Couchsurfing startete 2003 als nicht-kommerzielles Gastfreundschaftsnetzwerk, das 2011 in ein gewinnorientiertes Unternehmen umgewandelt worden ist. Es ist zur Zeit das größte Gastfreundschaftsnetzwerk der Welt. Ich selbst war noch nicht mit Couchsurfing unterwegs, aber meine älteren Kinder haben damit bereits gute Erfahrungen gemacht.
https://www.couchsurfing.com/

Trustroots
Ein recht neues Netzwerk ist Trustroots, gegründet 2015 als Non-Profit-Organisation. Es ist international und dort können sich interessierte Gastgeber in Gruppen zusammenfinden. So kannst Du speziell nach veganen Gastgebern, Fahrradfreunden oder Familien mit Kindern suchen. Ich habe mit Trustroots noch keine persönliche Erfahrung. Die Idee spricht mich sehr an und sicher werde ich da bald von eigenen Besuchen berichten können.
https://www.trustroots.org/

Hospitility Club
Im Hospitility Club bin ich zwar seit mehreren Jahren Mitglied, habe aber weder als Reisende noch als Gastgeberin Erfahrung gesammelt. Vor unserer USA-Reise meldete ich mich dort an, konnte aber leider die Liste nicht nutzen, da es kaum Gastgeber gab, die mehr als 1 oder 2 Menschen beherbergen konnten. Da wir mit unseren Kindern reisten, schied das also aus. Aber Freunde von mir haben das Netzwerk oft genutzt und gute Erfahrungen gesammelt.
http://www.hospitalityclub.org/

BeWellcome
Ein weiteres Gastfreundschaftsnetzwerk ist BeWellcome, das 2007 gegründet wurde und hat mittlerweile über 90.000 Mitglieder. Als Träger fungiert der der gemeinnützige Verein BeVolunteer. BeWelcome basiert auf einen Open Source System und will Entscheidungen transparent und demokratisch treffen.
https://www.bewelcome.org/main

Ein paar Tipps für das Reisen mit Gastfreundschaftsnetzwerken:

  1. Nehme rechtzeitig, möglichst 1-6 Wochen vorher, zu den Gastgebern Kontakt auf. Manche können zwar auch kurzfristig jemanden aufnehmen, aber besonders in den Ferienzeiten wird es eng.
  2. Erzähle bei der Kontaktaufnahme, meist per Mail, etwas über Dich und deine Reise. Je persönlicher die Mail, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Antwort. In manchen Regionen bekommen einige Gastgeber viele Anfragen und Massenmails sind da schnell unten durch.
  3. Nehme ein kleines Gastgeschenk mit. Am besten etwas, was typisch für den Ort ist, wo du her kommst. Schön ist auch, wenn du ein paar Fotos von deiner Heimat und deiner Familie zeigen kannst.
  4. Die Übernachtung bei Gastgebern der Netzwerke ist kostenlos. Gerade, wenn du wenig Geld hast, planst du vielleicht auf einer Reise überall bei Gastgebern zu übernachten. Doch bedenke, da du nach ein paar Besuchen oft eine Pause brauchst, denn du kannst dich dort manchmal nicht jederzeit zurückziehen. Nicht immer hast du ein eigenes Zimmer. Ich habe auf Reisen zwischen Gastgebern und anderen Unterkünften gewechselt.
  5. Kostenlos ist die Übernachtung, aber für dein Essen sorgst du selbst. Meistens wirst du zwar von der Gastgeberfamilie mitversorgt, aber es ist nicht selbstverständlich. Wir haben mit eingekauft oder auch mal gekocht.

Ich wünsche dir viel Freude bei dem Reisen mit Gastgebernetzwerken. Wenn du damit einmal angefangen hast, möchtest du es sicher nicht mehr missen, diese intensive Art des Reisens, die mit dem Radreisen wunderbar harmoniert.

Leben ist das, was zählt, nicht Geschwindigkeit

Leben ist das, was zählt, nicht Geschwindigkeit

„Raser Wegen Mord verurteilt“

Die Schlagzeile in allen Zeitungen heute: Zwei junge Männer, die auf dem Kufürstendamm in Berlin ein illegales Autorennen gefahren und dabei einen Menschen getötet haben, wurden wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Und die Deutschen sind in Aufruhr: Des Deutschen liebstes Kind, das Auto, ein Mordwerkzeug? Bisher wurden selbstmutwillig hingenommene Todesfälle durch extrem erhöhte Geschwindigkeit meistens nur mit Bewährungsstrafen geahndet, ganz zu schweigen von den alltäglichen Todesopfern bei Unfällen durch Ablenkung, Missachtung einer roten Ampel, zu geringer Abstand, riskante Überholmanöver oder erhöhte Geschwindigkeit.

Das Urteil ist zu unverhältnismäßig, meinen deswegen manche, sonst müsste man ja jeden Rotlichtfahrer, der jemand tot fährt, wegen Mordes anklagen.

Das Urteil war längst überfällig, sagen andere, das Auto ist eine potentiell tödliche Waffe.

Das Auto, eine Waffe

Das Auto, eine Waffe, der Gedanke erschreckt viele und doch ist er richtig. Nur weil die allermeisten Menschen nie vorhaben, ihr Auto als Waffe einzusetzen, ändert es nichts an der Tatsache, dass es kaum ein alltägliches Objekt gibt, was so leicht als Waffe eingesetzt werden kann wie ein Auto. Terroristen haben es längst kapiert und ziehen dies in ihre Planungen ein. Sie morden damit kaltblütig und gezielt.

Die jungen Männer, die verurteilt wurden, hatten nicht vor, jemanden zu töten, doch zur Steigerung ihres Selbstwertes nahmen sie Tote in Kauf. Jeder, der bei Verstand ist, muss mit Toten rechen, wenn er mit 160 kmh durch die Innenstadt rauscht.

Aber wo ziehen wir die Grenze? Ist jemand auch ein Mörder, der eine rote Ampel überfährt und ein Kind totfährt, weil er seinen Termin schaffen wollte?

Wenn jemand 10 Stundenlang ohne Pause am Steuer sitzt und wegen Sekundenschlaf einen tödlichen Auffahrunfall verursacht?

Ein Messer ist ein Alltagsgegenstand und kann gleichzeitig ein Mordwerkzeug sein. Wenn jemand in einer Fußgängerzone Messerwerfen übt und dabei jemanden tödlich verletzt, würde er da mit fahrlässiger Körperverletzung davon kommen?

Das Urteil, selbst wenn es in der Revision wieder aufgehoben werden wird, setzt eine längst überfällige Diskussion in Gang. Zur Zeit wird die Tötung von Menschen durch andere, die grob gefährdend fahren, einfach hingenommen. Ein anderer Blickwinkel auf die Gefährdung von Menschenleben ist dringend notwendig. Achtsames Auto fahren ist dringend notwendig, wenn wir lebenswerte Städte haben wollen, in denen auch Kinder und alte Menschen sich sicher bewegen können. Ich möchte nicht umgefahren werden, weil jemand dringend einen Termin einhalten will, Streit mit der Ehefrau oderÄrger im Job hatte, vielleicht aber auch nur sein Smartphone checken wollte. Das alles hat ein verantwortungsbewusster Mensch zu klären, bevor er ins Auto steigt. Denn wenn Menschen in dem Bewusstsein fahren, dass sie alle Konsequenzen zu tragen habe, wenn sie menschengefährdend fahre, entscheiden sie sich in bestimmten Situationen, in der sie nicht genügend Kontrolle über ihr Fahrzeug haben, eher gegen das Autofahren.

Denn das Recht auf Leben wiegt für mich ungleich höher als das Recht mancher Autofahrer auf individuelle Freiheit

Radfahrerin frontal von Taxi angefahren

Radfahrerin frontal von Taxi angefahren

Heute Vormittag fuhr ich mit meinen Kindern von einem Arzttermin im Auto nach Hause. Vor dem Rathaus Schöneberg wartete ich auf der linken Spur, wie die anderen Autofahrer neben mir an einer für uns roten Ampel, während Fußgänger die Ampel überquerten. Plötzlich schoß ein Taxi über die Haltelinie auf den Fußgängerüberweg und rammte frontal eine Fahrradfahrerin. Sie knallte auf die Windschutzscheibe und flog dann auf die Fahrbahn. Ich setzte Warnlicht, sprang aus dem Auto, um zu helfen. Zum Glück waren auch andere Leute da, die der Fahrradfahrerin aufhalfen. Sie konnte aufstehen und ging auf den Bürgersteig neben der Straße. Der Taxifahrer stieg auch aus, rannte zu ihr und rief: „Ich habe Sie nicht gesehen, ich habe Sie nicht gesehen.“

Ich ging zurück zu meinem Wagen, suchte einen Parkplatz und kam dann zurück mit meinen Kindern zum Unfallort, um mich als Zeugin zu melden. Ein anderer Autofahrer hatte bereits die Polizei gerufen. Er stand an der Ampel mit seinem Auto neben meinem und hatte auch den Unfall beobachtet. Und auch eine Fußgängerin war dort, die erzählte, dass sie unmittelbar hinter der Radfahrerin gegangen ist. Die Radfahrerin, eine noch ganz junge Frau, stand unter Schock und zitterte. Wir kümmerten uns um sie so gut es ging. Die Radfahrerin glaubte selbst schuld zu sein, weil sie ihr Rad nicht über die Ampel geschoben hatte, sondern gefahren war. Was ja an dem Unfall nichts geändert hätte, da die Taxe eine knallrote Ampel überfahren hatte. Das hätte jeden erwischen können, auch Fußgänger oder Radschieber. Nach einer Weile kam der Taxifahrer zu der jungen Frau und sagte ihr, sie solle doch sagen, er wäre nicht bei rot gefahren, damit er keine Punkte bekommt. Ich sagte ihm, er solle nicht auf die Frau einreden, sie steht gerade unter Schock. Außerdem würde hier keiner von uns Zeugen die Unwahrheit sagen, sondern berichten, was wir gesehen haben. Ich fand das ziemlich heftig, einen Menschen umzufahren und dann nach dem ersten Schreck an die persönlichen Nachteile zu denken. Es war ein Wunder, dass die Frau anscheinend keine schweren Verletzungen hatte. Sie selber hatte gar keine genauen Erinnerungen mehr an den Sturz. Wäre er alleine mit ihr gewesen, hätte er ihr wahrscheinlich das auch noch einreden können.

Als dann nach 45 Minuten endlich die Polizei kam, behauptete er dann auch vor der Polizei, es wäre für ihn grün gewesen und sie wäre bei rot gefahren. Kurze Zeit später kam der Rettungswagen, der die junge Radfahrerin mitnahm. Im Krankenhaus wartete bereits ihre Mutter auf sie.

Es gab in den letzten Monaten bereits einige schlimme Unfälle an Ampeln, bei denen die Autofahrer aussagten, die Radfahrerinnen wären bei rot gefahren. Ob es andere Zeugen gab, ist nicht bekannt. Da die Radfahrerinnen tot oder schwer verletzt waren, konnten sie sich selbst dazu nicht mehr äußern. Aber in den Medien wurde heftig über die Radfahrer geschimpft, selbst von anderen Radfahrern. Nachdem ich heute eine „Schutzbehauptung“ eines Autofahrers live mitbekommen habe, werde ich zukünftig solche Nachrichten noch kritischer betrachten als vorher. Natürlich gibt es Radler, die sich durch ihr Verhalten selbst gefährden. Ob das nach einem schweren oder tödlichen Unfall Selbstschuld ist, ist für mich keine Sache, die man nach einer kurzen Zeitungsmeldung beurteilen kann.

Super war aber, wie mehrere Menschen, Fußgänger wie Autofahrer sich sehr fürsorglich um das Unfallopfer gekümmert hatten und sich als Zeugen zur Verfügung stellten. Die meisten Menschen verhalten sich eben richtig.

Motherload – Film über Lastenräder

Motherload – Film über Lastenräder

Film über Lastenräder

Die Filmemacherin Liz Canning hat einen Film über Lastenräder gedreht, der richtig Lust macht, seine Kinder samt Taschen ins nächste Rad zu packen und loszufahren. Wir selber haben seit 20 Jahren ein Xtra-Cycle. Das sind die Longtail-Fahrräder mit einem Brett statt einem Gepäckträger. Damit haben wir unsere Kinder oft mit transportiert, aber auch Erwachsene als Mitfahrer saßen schon darauf.

Auch große Kinder lieben Lastenräder

Vor einer Weile verpasste meine älteste Tochter, sie war zu dem Zeitpunkt 18, mal einen Bus. Sie musste aber dringend zum Sammelpunkt ihrer Pfadfindergruppe, denn sie wollten gemeinsam auf Fahrt gehen und der Reisebus fuhr bald ab. Da habe ich ihr angeboten, sie auf dem Xtra-Cycle hinzufahren. Wir verstauten das Gepäck auf den seitlichen Ablageflächen und sie schwang sich auf den hinteren Sitz. Und es ging los quer durch die Stadt zum Treffpunkt. Meine Tochter war glücklich, denn sie sagte, es wecke in ihr so schöne Erinnerungen an ihre Kindheit, in der wir sie öfter mit dem Xtra-Cycle irgendwo hingebracht oder abgeholt hatten. Meine Kinder liebten das Xtra-Cycle sehr. Auch ich bin schwer begeistert von dem Xtra-Cycle, weil man damit soviel transportieren kann und es trotzdem schnell und wendig ist. Wir haben auch noch andere Lastenräder gehabt, leichtere und schwerere. Aktuell liebäugele ich mit einem leichten Kindertransportlastenrad, was wintertauglich ist, dem Veleon. Ein gutes Lastenrad kann einen PKW auf vielen Strecken ersetzen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum Elektroautos subventioniert werden, aber Lastenräder nicht. Denn Lastenräder sind die eigentlichen Klimaretter. Es gibt unglaublich viel Bewegung auf dem Lastenradmarkt, vom klassischen eher schweren Christiania-Bike bis hin zum wendigen Veleon. Das ist gut so, denn so kann jeder das Rad finden, was zu ihm passt.

In dem Trailer von dem Film gibt es alle möglichen Lastenräder zu entdecken. Ich hoffe, der Film wird auch hier in Berlin gezeigt, so daß ich ihn in voller Länge sehen  kann.

Zum Trailer von Motherload: http://motherloadmovie.com/watch/

 

Berlin plant Mobilitätsgesetz

Berlin plant Mobilitätsgesetz

Koalitionsverhandlungen über Verkehrswege der Zukunft

 

Anscheinend wird es im Falle einer rot-rot_grünen-Koalition ein sogenanntes Mobilitätsgesetz eingeführt. Dabei soll es zu einer Förderung des Radverkehrs durch Ausbau und Neuschaffung von Radverkehrsanlagen kommen. Doch nicht nur der Radverkehr soll gefördert werden, auch im öffentlichen Nahverkehr sind Erweiterungen wie der z.B. Ausbau der Straßenbahn bis zum Hermannplatz vorgesehen. Tempo 30 Zonen sollen künftig leichter eingerichtet werden können, auch an Hauptstraßen. Ab 2017 würde voraussichtlich 10 Millionen € in den Ausbau des Radwegenetzes fließen, ab 2018 40 Millionen € und ab 2019 sogar 51 Millionen €.

Für Heinrich Stoßenröther, Initiator des Volksentscheid Fahrrads, ist es nicht entscheidend, wie das Gesetz zur Förderung des Radverkehrs sich nun nennt, entscheidend sind allein die Inhalte. „Ein neues Gesetz kann ein Riesenschritt nach vorn sein, wenn der Senat darin etwas für Radfahrer, Fußgänger und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel tut“, sagt er laut einem Bericht des Tagesspiegels. Wichtig ist dagegen, dass es nicht nur ein Plan, sondern ein verbindliches Gesetz ist, was den nicht motorisierte Individualverkehr und den öffentlichen Nahverkehr fördern soll. Am Freitag, wenn genau diese Themen bei den Koalitionsverhandlungen besprochen werden, plant die Initiative eine „freundliche Demonstration“ um 13.30 mit Fahrradkeksen vor dem Roten Rathaus.

Politiker der CDU und FDP wettern erwartungsgemäß gegen das geplante Mobilitätsgesetz. Sie befürchten anscheinend ein Autofahrer-Bashing, CSU Generalsekretär vermutet gar einen “Kulturkampf gegen Autofahrer“.

Das erinnert mich alles ein wenig an die Befürchtungen des Gaststättengewerbes vor Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes. Sie erwarteten Massenschließungen von Restaurants, in die nun keiner mehr kommen würde. Das ist ausgeblieben, stattdessen würde ein großer Teil der extra Raucherräume wieder abgeschafft, weil es selbst den Rauchern dort zu verraucht war. Viel Rauch um nichts.

Genauso sind viele Politiker und Autolobbyisten, die nun einen „Kulturkampf“ herbeireden, vor allem um ihre eigenen Interessen besorgt. Mag sein, dass es unverdrossene Autofahrer gibt, die nur ihre Interessen im Kopf haben. Es gibt aber auch unter den Autofahrern eine wachsende Gruppe, die froh ist, wenn der öffentliche Raum gerecht verteilt wird und der Rad- und Fußverkehr gute sichere Wege vorfindet.

Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Koalitionsverhandlungen einen für den Radverkehr günstigen Abschluss finden und das Gesetz dann auch entsprechend umgesetzt wird.

In der Taz zu den Koalitionsverhandlungen: http://taz.de/Koalitionsverkehr-I/!5350912/

Wird Unter den Linden autofrei? fragt die Berliner Zeitung

Termine vom Volksentscheid während der Verhandlungen:

 

  • R2G anfüttern und einheizen
    Wann: 4. November 2016 @ 13:3023:59
    Ort: Rotes Rathaus, Map

    Das neue Abgeordnetenhaus hat bereits das erste Mal getagt, doch die drei künftigen Koalitionsparteien verhandeln noch entscheidende Fragen. Am Freitag, dem 4. November findet die Hauptverhandlung zum Thema Mobilität und Verkehr statt. Ramona Pop (Grüne) und Klaus Lederer (Linke) haben uns im Wahlkampf volle Unterstützung zugesagt. Die SPD Berlin hat bereits Ende Juni verkündet, in Zukunft mindestens 40 Millionen Euro jährlich in den Radverkehr zu investieren. Wir fordern die Einhaltung gemachter Versprechen und erwarten den zügigen Abschluss der Rechtsprüfung und das Inkraftsetzen des RadG bis März 2017.

    Damit das klappt, wollen wir #R2G anfüttern und später einheizen:

    R2G anfüttern: Mit selbstgebackenen rot-rot-grünen Plätzchen und einer großen, mit Fahrrädern dekorierten Torte geben wir den Verhandelnden positive Energie mit in die langen Verhandlungen. Seid dabei, wenn wir am Roten Rathaus die Verhandelnden begrüßen und sie mit Argumenten und einer Stärkung unt…

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  • #R2G einheizen
    Wann: 4. November 2016 @ 18:0023:00
    Ort: Rotes Rathaus, 10178 Berlin, Deutschland, Map

    R2G einheizen: Irgendwann lässt auch bei bester Verpflegung die Konzentration nach. Deshalb rücken wir ab 18 Uhr mit guter Laune wieder an und senden per Schallwelle frische Energie ins Rathaus: mit Live-Musik von 12Volt, sattem Bike-Bass-Sound und einem chilligen Get-Together heizen wir ein. Wir demonstrieren und fiebern mit, bis die ersten positiven Nachrichten aus dem Roten Rathaus dringen. Warum sollen Politiker alleine bis tief in die Nacht über eine zeitgemäße Verkehrspolitik verhandeln, wenn wir vor der Tür live dabei sein können?

     

 

 

 

Über den richtigen Seitenabstand beim Fahrradfahren

Über den richtigen Seitenabstand beim Fahrradfahren

Sicher Fahrradfahren.

Meine große Tochter Julika ist innerhalb kurzer Zeit zweimal von Autofahrern angefahren worden. Die Unfallursache: zu geringer Seitenabstand beim Überholen. Während der Vorfall der ersten Autofahrerin noch unangenehm war und sie sich geschockt entschuldigte, ergriff der zweite Autofahrer die Flucht und durchfuhr dabei gleich noch eine rote Ampel. Während bis vor wenigen Jahren zu geringer Seitenabstand selten zu schweren Unfällen führte, gab es in diesem Jahr bereits mehrere getötete Fahrradfahrer mit dieser Unfallursache. Es ist die Unfallursache mit dem größten Anstieg innerhalb der letzten Jahre. Warum, das kann ich nur spekulieren. Vermutlich ist wie bei vielen anderen Unfällen ein Smartphone in der Hand des Autofahrers die Ursache. Damit lässt es sich schlecht lenken und so wird eben mal ohne Spurwechsel überholt. Auch werden die Autos und LKWs immer breiter und nehmen oft keinen Spurwechsel vor beim Überholvorgang, weil nicht genügend Bewusstsein für die Gefährdung anderer vorhanden ist.

Unfallursache zu geringer Seitenabstand

Zu geringer Seitenabstand von Autofahrern beim Überholen ist sicher einer der häufigsten Gründe, weshalb Radfahrer von der Fahrbahn auf den Bürgersteig wechseln. Abgesehen von der tatsächlichen Gefahr verursacht es ein Unsicherheitsgefühl, wenn Autofahrer mit nur wenigen Zentimetern Abstand an einem vorbeifahren. Laut Gesetzgebung und Rechtssprechung sollte der Abstand der überholenden Autos mindestens 150 cm betragen. Wird ein Kind im Kindersitz auf dem Rad transportiert, soll der Abstand wenigstens 200 cm betragen. Das ist ohne Spurwechsel nicht zu bewerkstelligen.

Sehr ärgerlich ist es, daß auf vielen schmalen Fahrradstreifen ein sicheres Fahren unter Einhaltung der gebotenen Seitenabstände nicht möglich ist. Um genügend Abstand zu den parkenden Autos einzuhalten, müssen Radler am linken Rand des Streifens fahren. Dort werden sie mit zu geringen Abstand von den Autos überholt, die erwarten, daß die Fahrradfahrer in der Mitte der Streifen fahren.

fahrradstreifen
Auf Radstreifen wie diesen ist ein korrekten Seitenabstand kaum möglich – ärgerlich.

4 Tipps für sichereres Fahren mit dem richtigen Seitenabstand

Genügend Abstand zu parkenden Autos

Halte genügend Abstand zu parkenden Autos. Es gilt zwar das Rechtsfahrgebot, was bedeutet, das man so weit rechts fahren sollte wie möglich. Dabei sollte man sich aber zu keiner Zeit selbst gefährden. Das tust Du, wenn Du mit zu geringen Seitenabstand an parkenden Autos vorbeifährst. So kannst Du nicht reagieren, wenn sich eine Autotür öffnet. Im Fahrradladen haben wir schon oft Kunden gehabt, denen genau dies passiert ist und die dadurch einen Unfall hatten. Der Mindestabstand zu parkenden Autos sollte 100 cm betragen, vom rechten Lenker aus gemessen. Sehr viele Radfahrer haben einen zu geringen Abstand zu den parkenden Autos und gefährden sich dadurch selbst. Außerdem ermöglichen sie dadurch den Autofahrern, sie auf derselben Spur zu überholen. Nimm Dir mal einen Zollstock zur Hilfe und messe aus, wie groß Dein Abstand zu parkenden Autos wirklich sein sollte. Oft schätzen wir den Abstand falsch ein und haben dadurch einen zu geringen Abstand. Wenn Du diesen Abstand einhältst, führt das dazu, dass Du nicht auf der Parkspur, sondern auf der Fahrbahn fährst. Trau Dich das. Du bist ebenso Verkehrsteilnehmer wie ein Autofahrer. Außerdem führt es dazu, dass in der Regel der Autofahrer nun die Spur wechseln muss, um Dich zu überholen. Das erhöht Deine eigene Sicherheit enorm.

Schulterblick

Mit Schulterblick fährst Du sicherer. Der Blick über die linke Schulter führt nicht nur dazu, dass Du alles hinter dir besser wahrnimmst, sondern auch, dass der nachfolgende Verkehr Dich besser wahrnimmt. Wenn ein Autofahrer, der zum überholen ansetzt, Dein Gesicht sieht, verändert sich oft sein Verhalten. Du wirst vom Objekt, einem bewegten Fahrrad, zur Person, die auf dem Fahrrad sitzt. Automatisch überholen viele Autofahrer dadurch mit größerem Seitenabstand. Nun musst Du nicht ständig nach hinten schauen. Aber gerade, wenn Du hörst, dass ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit überholen will, kann es sinnvoll sein.

Breit-Bike

 Ausklappbare Fahrradkörbe

Verbreitere Dein Rad. Fahrradfahrer werden von Autofahrern als recht schmal wahrgenommen. Dadurch wird der notwendige Abstand unterschätz. Helfe den Autofahrern Dich richtig einzuschätzen. Nein, nicht Du sollst breiter werden, nur dein Fahrrad. Wie aber machst Du das? Du kannst zum Beispiel Klappkörbe montieren. Erst einmal montierst Du an Dein Rad eine Gepäckträgerverbreiterung, an denen man seitlich Taschen oder Körbe hängen kann. Dann montierst Du rechts und links von der Gepäckträgerverbreiterung ausklappbare Körbe. Klappst Du diese Körbe nun aus, wird dein Fahrrad hinten wesentlich breiter sein als vorher. Der Effekt ist erstaunlich. Ich habe diese Lösung ursprünglich an mein Rad gebaut, um genügend Stauraum für Familieneinkäufe trotz Kindersitz zu haben. Dabei stellte ich erstaunt fest, dass die Autos bei ausgeklappten Körben einen wesentlich höheren Seitenabstand einhielten als zuvor. Aus Angst vor Kratzern oder einfach nur wegen der besseren Wahrnehmbarkeit, ich weiß es nicht. Wichtig ist allein das Ergebnis. Auf engen Straßen fahre ich nur noch mit ausgeklappten Körben.

Mit Schwimmnudeln durch den Verkehr schwimmen

Ein anderer Fahrradfahrer hat als Abstandhalter eine Schwimmnudel montiert. Auch er wurde mit Schwimmnudel mit einem weitaus größeren Seitenabstand überholt.

Wie geht es Dir auf der Strasse, wenn Du mit zu geringem Abstand überholt wirst? Hast Du auch noch ein paar Tipps? Dann schicke uns einen Kommentar.

Der ADFC hat hier noch mal sehr übersichtlich alles Wichtige zum Thema Seitenabstand aufgelistet: http://www.adfc.de/misc/filePush.php?mimeType=application/pdf&fullPath=http://www.adfc.de/files/2/110/112/FW_Seitenabstand_20110722.pdf

Wenn Du sehen willst, wie sich die Autofahrer verhalten, wenn eine Schwimmnudel mitfährt, dann schaue hier: http://www.youtube.com/watch?v=hu3On0TfwJc

 

Dagmar Gericke

 

Fahrradscheinwerfer richtig einstellen

Fahrradscheinwerfer richtig einstellen

Leuchten, aber nicht blenden

Ich fahre nicht nur gerne Fahrrad, sondern bin auch oft und längere Strecken zu Fuß unterwegs. Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit werde ich regelmäßig von entgegenkommenden Fahrradfahrern geblendet. Dem kann ich als Fußgängerin nicht ausweichen. Die Scheinwerfer für Fahrräder sind in den letzten Jahrer viel heller geworden und dadurch sehen Radfahrer mehr. Allerdings stört ein schlecht eingestellter Scheinwerfer entgegenkommende Fußgänger oder Fahrradfahrer umso mehr. Da ihre Sicht durch das Blenden eingeschränkt wird, nimmt auch ihre Sicherheit ab. Um gesehen zu werden, muß man andere nicht blenden, es ist sogar kontraproduktiv.

Scheinwerfer korrekt einstellen

Die meisten Fahrradfahrer, deren Scheinwerfer nicht korrekt eingestellt ist, wissen das nicht, wundern oder ärgern sich über genervte Bemerkungen. Wenn Du mal deswegen angesprochen worden bist, dann schau mal nach, ob es vielleicht an Deinem Scheinwerfer liegt. Gut eingestellte Scheinwerfer blenden nicht und verstören das angespannte Verhältnis der Verkehrsteilnehmer untereinander nicht noch zusätzlich. Der Scheinwerfer sollte weder nach oben noch stark nach unten geneigt sein, sondern nur ganz leicht geneigt, so daß der Lichtkegel in ca 10 m Entfernung auf den Boden trifft.

Hier findest Du eine gute Anleitung zum korrekten Einstellen der Scheinwerfer: http://fahrradbeleuchtung-info.de/fahrradscheinwerfer-richtig-einstellen

Wie lernen Kinder sicher Fahrrad zu fahren?

Wie lernen Kinder sicher Fahrrad zu fahren?

Kinder lieben Fahrradfahren – aber sicher!

Kinder und ihr Fahrrad, das ist oft der Beginn einer langen Liebe. Mit meinem siebenjährigen Sohn fahr ich inzwischen fast täglich mit dem Rad zur ca. 3 km entfernten Schule. Er liebt sein Rad und fährt gerne. Als wir heute über‘ s Radfahren redeten, sagte ich zu ihm: „Das Fahrrad ist schon ist schon ’ne tolle Erfindung, nicht wahr?“ „Ja,“ rief mein Sohn begeistert, „und so gemütlich, nicht so ,bäh, schwitzig wie im Auto.“
Und das bei 7 Grad und Morgennebel. Selbst da zieht mein Sohn das Rad dem Auto vor, kann er doch dort selber fahren, unabhängig sein und seinen Bewegungsdrang ausleben. Radfahren für Kinder ist einfach super.

Ein Meilenstein in der Entwicklung

Die meisten Eltern können es kaum erwarten, daß ihr Kind endlich Fahrrad fahren kann. Ein Entwicklungsmeilenstein, der freudig verkündet wird. Doch schon wenige Jahre später sieht man nur noch wenige Kinder radeln. Die Eltern befürchten einen Unfall, der Verkehr wirkt bedrohlich. So gibt es leider immer weniger Kinder, die ihren Schulweg mit dem Rad zurücklegen, während die Zahl der Kinder steigt, die fast überall hin von ihren Eltern mit dem Auto gebracht werden, bis zur Pubertät und darüber hinaus. Sind die Kinder jung, können sie es kaum erwarten, mit dem Rad die Welt zu erobern. Viele Menschen erinnern sich noch als Erwachsene, wie sie radfahren gelernt haben. Es ist eine prägende Erinnerung.  Nimmt man ihnen diese Gelegenheit aus Furcht, es könnte ihnen etwas passieren, nimmt man ihnen auch wichtige Erfahrungen, die zum Kindsein gehören und die sie nie wieder nachholen können.

Eltern können viel dazu beitragen, daß Kinder diese Erfahrungen mit der nötigen Sicherheit machen. Der allerwichtigste Schutz für ein Kind ist eben nicht einfach nur ein Helm auf dem Kopf, sondern sein eigenes Verhalten im Strassenverkehr. Wenn es gelernt hat, umsichtig zu fahren, ist es bestens gerüstet.

Wir haben vier Kinder, die alle gerne mit dem Rad unterwegs sind, die Jüngste noch als Mitfahrerin. So können wir auf einige Erfahrung zurückgreifen, sowohl im Stadtverkehr als auch auf Fahrradtouren. Unsere zwei älteren erwachsenen Kinder fahren alltäglich und gerne und zum Glück bisher ohne großen Unfall.

Hier sind die wichtigsten Tipps zum ungetrübten Fahrspaß:

  • Fahre selber viel Fahrrad. Kinder von fahrradfahrenden Eltern fahren meistens auch viel Fahrrad. Nutze es mit Deinem Kind als normales Verkehrsmittel. Unsere große Tochter sagte als junge Erwachsene zu uns: „Ich bin so froh, daß ihr mir vermittelt habt, das Fahrrad selbstverständlich im Alltag zu benutzen.“
  • Nehme Dein Kind auf dem Kindersitz mit. Besonders wenn es auf einem Kindersitz direkt hinter dem Lenker sitzt, bekommt es Dein Fahrverhalten unmittelbar mit und kann so von deinem Vorbild lernen. Ist es schon 2 oder 3 Jahre, kannst Du ihm auch immer mal wieder Dein Verhalten in verschiedenen Situationen erklären, z.B. an Ausfahrten und Kreuzungen. Kinder lernen durch Wiederholung und situationsbedingt.
  • Fahre defensiv. Bevor ich über eine Kreuzung fahre, schaue ich immer nach links zu den abbiegenden Autos und vergewissere mich, daß sie mich sehen. Nicht einfach losfahren, erstmal gucken. Das ist besonders beim Fahren mit Kindern wichtig. Fahrt nebeneinander über Kreuzungen. Du als größere Person wirst in der Regel noch gut gesehen. Fährt Dein Kind hinter Dir, wird es vielleicht nicht mehr von abbiegenden Kraftfahrzeugen rechtzeitig gesehen.
  • Ausfahrten sind eine besondere Gefahrenquelle für Kinder, da sie über den Bürgersteig, bzw. Radweg führen und von Kindern nicht als Ort, wo ein Auto erscheinen kann, wahrgenommen werden. Vor Ausfahrten langsamer fahren, um einen Einblick erhalten zu können. Wenn alles frei ist, weiterfahren. Das erkläre ich auch immer wieder meinem Kind.
  • Bringe Deinem Kind bei, sich nicht allein auf eine grüne Ampel zu verlassen, sondern sich immer zu vergewissern, daß die Autos auch wirklich zum Stehen gekommen sind. Mehrmals wöchentlich sehen wir, wie ein Auto über eine für uns grüne Ampel fährt, die wir gerade überqueren wollen. Ohne Rückversicherung sähe es da manchmal schlecht aus für uns.
  • Habe immer ein für die Größe Deines Kindes passendes Fahrrad. Ein Fahrrad ist keine Hose, in die Dein Kind hineinwachsen kann. Es sollte immer passen. Ein Tiefeinsteigerrad ist für jüngere Kinder sicherer, weil sie leichter und schneller absteigen können. Dein Kind sollte auf dem Sattel sitzend zum Stehen kommen können. Muß es zum Bremsen abspringen, ist das Rad eindeutig zu hoch. Auch zu kleine Fahrräder oder niedrig eingestellte Sättel sind ungünstig, weil Dein Kind mit einem zu niedrigem Fahrrad hin und her wackelt beim Fahren.

Die Entwicklung des Gefahrenbewußtseins bei Kindern

Gehe mit deinem radfahrenden Kind erst in den Verkehr, wozu auch Fahrradwege und Bürgersteige gehören, wenn es in der Lage ist, bestimmte Situationen zu begreifen und zu überschauen. Ich habe mal in Berlin ein windeltragendes vielleicht gerade dreijähriges Kind davon abgehalten, auf eine belebte Kreuzung zu fahren. Die Mutter sah ich nicht. Nach ein paar Minuten, in denen ich mit ihrem Zwerg plauderte, kam sie atemlos angerannt.  Sie hatte sich kurz mit einer Freundin unterhalten, da war ihr Kind unbemerkt schon weggefahren und wollte nach Hause – allein. Dumm nur, daß auf dem Weg dahin eine Strasse zu überqueren war. Dreijährige sind noch sehr impulsiv. Nicht umsonst werden Fahrräder für Klein- und Vorschulkinder Spielräder genannt. Dreijährige können zwar manchmal Fahrrad fahren, aber ein Fahrrad sicher durch den Großstadtbürgersteig zulenken, klappt noch nicht. Dazu fehlt ihm noch der Überblick, den es dafür braucht.

Zwischen einem dreijährigen und einem fünfjährigen Kind liegen Welten, was die Wahrnehmung betrifft, selbst wenn das Kind noch so pfiffig und geschickt ist. Außerdem gibt es noch eine große Bandbreite bei den Entwicklungsschritten eines Kindes. Lass Dich nicht verunsichern, wenn die Kinder aus der Kita oder Schule anscheinend viel mehr können. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, vertraue ihm.  Erst mit einem Alter von ca. 5 kann es eine Gefahr als solche wahrnehmen, ist aber kaum in der Lage, die Gefahrenabwehr rechtzeitig umzusetzen. Da braucht es noch die Eltern an seiner Seite, die das Kind rechtzeitig darauf hinweisen. Zum Beispiel auf eine abschüssige Straße, auf der das Kind abbremsen muß. Kinder bremsen im Alter von 5 erst, wenn sie bereits zu schnell fahren.

Außerdem gibt es noch eine große Bandbreite bei den Entwicklungsschritten eines Kindes. Lass Dich nicht verunsichern, wenn die Kinder aus der Kinder aus der Kita oder Schule anscheinend viel mehr können. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, vertraue ihm. Über die Entwicklung des Gefahrenbewußtseins bei Kindern findest Du hier noch mehr: https://www.uni-due.de/~qpd402/alt/texte.ml/Goslar.html

 

Freiräume zum Ausprobieren suchen

Dort, wo keine Gefahren durch Autos oder andere Verkehrsteilnehmer drohen, kann es sich mit seinem Rad ausprobieren. Ich bin mit meinen kleinen Radlern gerne im Britzer Garten in Berlin gewesen, denn da konnten sie mal schnell fahren ausprobieren, ohne daß andere Radler oder Hunde ihren Weg kreuzten. Schau, wo es solche Orte in deiner Nähe gibt, denn da kann sein Kind seine Fahrfertigkeiten gefahrlos erweitern. Kinder werden so schnell groß und die Zeit, in der ihr gemeinsam durch Strassen radeln könnt, kommt früh genug. Und dann ist es auch viel entspannter für Euch beide, weil Dein Kind die Verkehrsregeln leichter umsetzen kann.

Mal die Perspektive wechseln

Ich habe mit meinem Kind auch immer mal einen Perspektivwechsel gemacht, also gezeigt, was ein Autofahrer eigentlich von seinem Auto aus sehen kann. Ein Kind, das hinter einem parkendem Auto auf einem Kinderrad fährt, gehört definitiv nicht dazu.
Bis zu einem bestimmten Alter denken Kinder jedoch: „Wenn ich das Auto sehe, dann sieht es mich auch.“ Das dem nicht so ist, begreifen sie am besten durch den Perspektivwechsel. Wenn sie älter werden, können sie sich leichter in die Lage des anderen hinein versetzen. Erst ab ca. 9-10 Jahren können sie sicher vorrausschauend fahren, was für das Fahren ohne Begleitung notwendig ist. Vorher sind sie noch leichter ablenkbar. ( Interessanter Artikel zur Entwicklungspädagogik in Bezug auf Verkehr: http://www.kindergartenpaedagogik.de/768.html )

Kommunikation statt Kommandos

Für Kinder kann es sehr frustrierend sein, wenn sie immer nur hören, was sie nicht sollen oder falsch machen. „Nicht so schnell“ „ Noch nicht rüber fahren“ „Du musst früher bremsen“ “ Absteigen“ „Aufsteigen“. Sehr viele Kommandos können die Freude am gemeinsamen Fahren beim Kind schnell vermiesen.
Mein Kind lernt sehr viel besser und offener, indem ich mein eigenes Fahrverhalten kommentiere und beschreibe, warum ich also z.B. einen großen Bogen um alte Menschen mache. Sie hören und sehen machmal nicht mehr so gut und erschrecken sich, wenn an ihnen dicht ein Fahrrad vorbei fährt, erkläre ich ihm.
Mein Kind ahmt mein Verhalten nach und wird dadurch ein achtsamer Radfahrer. Diesen Prozeß beobachte ich gerade bei meinem dritten Kind, das sich gerade zu einem sicheren Radfahrer entwickelt.
Diese Achtsamkeitwird es mitnehmen, wenn es irgendwann alleine unterwegs ist.

Fahre viel zusammen mit Deinem Kind Fahrrad, in der Stadt, auf dem Land und im Urlaub. Je mehr Gelegenheit es zum Fahrradfahren bekommt, desto sicherer wird es fahren. Tätigkeiten, die wir immer wieder tun, automatisieren sich, wie z.B. der Schulterblick. In den ersten Jahren durch Dich begleitet, wird es so auch sicher und unfallfrei später alleine fahren. Und das Allerwichtigste zum Schluß: Fahrradfahren macht wahnsinnig viel Spaß und bietet in jedem Alter schöne gemeinsame Erlebnisse für die ganze Familie.

Dagmar Gericke

Ist der Senat überfordert?

Ist der Senat überfordert?

Dem scheint so, denn die Gesetzesvorlage zum Volksentscheid Fahrrad liegt nun schon seit über drei Monaten dem Senat zur Begutachtung vor, ohne dass es seitens des Senats dazu eine Stellungnahme zur Zulässigkeit des Radgesetzes gab.

Egal, wie ich zum Volksentscheid Fahrrad stehe, der Umgang mit der bisher erfolgreichsten Unterschriftensammlung Berlins ist eine Ignoranz von berechtigten Interessen vieler Menschen, die in Berlin wohnen, die ihresgleichen sucht. Kein Wunder, dass manch einer gar Absicht dahinter vermutet. Und zwar die Absicht, den Volksentscheid Fahrrad so lange zu verzögern, bis eine Abstimmung zur nächsten Bundestagwahl unmöglich erscheint. Als Protest dagegen gingen eine Gruppe Radler vom Volksentscheid Fahrrad symbolisch vor dem Regierungsviertel in der Spree baden.

Dem Senat entgeht eine historische Chance

Der Berliner Senat vertut so wieder eine große Chance. Nämlich die Chance, eine Stadt wie Berlin zu einer Stadt umzubauen, in der der Verkehr den Menschen dient, und nicht nur den Autofahrern. Andere Städte, die in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts völlig fahrradfeindlich waren wie zum Beispiel Chicago , haben sich längst auf den Weg zu einem mutigen Umbau ihrer Strassen gemacht.

Wer mal in den Achtzigern dort war, weiß, dass dort im Gegensatz zu Berlin kaum Menschen Fahrrad gefahren sind. Und jetzt nutzen viele Menschen die neu angelegten durchdachten Routen. Berlin hätte den Umbau aufgrund einer Bevölkerung, in der sowieso viele Menschen Rad fahren, leichter vorantreiben zu können. Das die Situation so ist, wie sie jetzt ist, ist ganz klar ein Versäumnis der Politik. Ergreift eine Gruppe Berliner jetzt die Initiative, durch einen Volksentscheid den Umbau zu einer fahrradfreundlichen Stadt herbeizuführen, müsste der Senat diese Initiative eigentlich unterstützen, als willkommene Entlastung für überforderte Politiker. Stattdessen möchte der Berliner Senat noch mal ein denkenswertes Beispiel von seiner Unfähigkeit, mit Bürgerbegehren umzugehen, hinterlassen. Schade.

Volksentscheid Fahrrad